Vor ein paar Tagen las ich die Zeitung. Auf Seite 3 sah ich die Schlagzeile, klappte meine Morgenlektüre zusammen, legte sie beiseite, schüttelte den Kopf und fragte mich, was zum Teufel ich da eben gelesen hatte. Dann nahm ich sie wieder in die Hand, setzte meine Brille auf und las dieselbe Schlagzeile noch einmal: „Netanjahu schlägt Donald Trump für den Friedensnobelpreis vor.“
Mein digitaler Freund SeppGPT, las über meine Schulter mit und kommentierte: „Das ist, als würde man einem Pyromanen den Preis für das beste Brandschutzkonzept verleihen.“
Ich las weiter, und tatsächlich schien es ernst gemeint zu sein. Angeblich wegen Trumps „bahnbrechender Beiträge zum Frieden im Nahen Osten“. Ich erinnerte mich an die Artikel, die ich damals gelesen hatte: „USA werden Gaza übernehmen und zur Riviera des Nahen Ostens machen.“ Ich beschloss, mich gedanklich auf das absurde Szenario einzulassen.
Stellen wir uns die Nobelpreisverleihung in Oslo vor. Ein feierlicher Saal, Fracks, steife Gesichter. Der Komiteesprecher tritt ans Mikrofon, räuspert sich und verkündet: „Der Friedensnobelpreis geht an … Donald Trump.“ Kurzes Murmeln, dann eine gespenstische Stille. Man hört förmlich, wie Hunderte von Gehirnen gleichzeitig gegen die Realität rebellieren.
Die Begründung: „Für seine einzigartige Fähigkeit, die Welt in Atem zu halten und damit jegliche Aggression vor Schock zu lähmen.“ Man verwies unter anderem auf seine Visionen: Grönland kaufen, Kanada annektieren und den Panamakanal verdoppeln. Es schien, als hätte das Nobelkomitee entschieden: Wer die Welt so sehr verwirrt, dass sie gar nicht mehr weiß, ob sie Krieg führen soll, verdient Anerkennung.
Und dann marschierte er herein. Donald Trump. Rote Krawatte, Watschelgang mit Sendungsbewusstsein, das Gesicht in einem leichten Orangeton und die Haare blond und frisch geföhnt. In der einen Hand das Nobeldiplom, in der anderen sein Handy, bereit für den nächsten Post.
Er begann seine Rede: „Niemand hat je so viel Frieden gemacht wie ich. Das sagen viele Leute. Sehr viele. Ich bin quasi wie der Dalai Lama aber größer, reicher und mit besserem Golf-Handicap.“ Er blickte in die Menge, lächelte staatsmännisch und kündigte an: „Als Nächstes will ich Niederbayern.“
Ich verschluckte mich an meinem Morgenkaffee. „Ja, Bayern. Tolles Land. Sauber. Pünktlich. Gutes Bier. Die besten Golfplätze. Ich werde etwas Großes daraus machen: Statt Bäderdreieck wird es das Bäderviereck. Bad Birnbach, Bad Griesbach, Bad Füssing – plus Bad Trumpfing. Friedlich, versteht sich. Ohne Krieg. Einfach übernehmen.“
SeppGPT streikte. Auf seinem Bildschirm erschien die Fehlermeldung: „Ironiegrenze überschritten – Neustart erforderlich.“ Ich legte die Zeitung endgültig beiseite.
Isolde kam aus der Küche und fragte: „Und, was gibt es Neues in der Welt?“
Ich antwortete: „Nichts – außer, dass die Satire jetzt offiziell von der Realität überholt wurde.“

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