SeppGPT streikt

Ich saß vor meinem Bildschirm und schwitzte. Nicht nur, weil mein Dachgeschossbüro im August einem Brutkasten glich, sondern vor allem, weil SeppGPT, mein virtueller Schreibpartner, streikte.

Heute Abend musste die Glosse fertig sein – nicht, weil jemand darauf wartete, sondern weil ich es mir vorgenommen hatte. Und das war bekanntlich schon Strafe genug. Das Thema? Egal. Hauptsache, sie war witzig. Nur: Mein Gehirn hatte längst seine sportliche Form verloren. Früher ein kräftiger Denk-Muskel, jetzt ein staubiges Ausstellungsstück – hübsch anzusehen, aber völlig nutzlos.

„Sepp, schreib mir was zum Thema Schottergärten“, tippte ich nervös. „Vorschlag: eine Satire über den ökologischen Untergang des Dorfes, begonnen mit einem Kieselstein.“

Der Cursor blinkte. Ich wartete. Nichts.

„Sepp?“

Wieder nichts. Ich versuchte es freundlich: „Sepp, alter Freund, wie wär’s mit einem Witz über den Gartenzwerg in Uniform, den ich gestern beim Spaziergang gesehen habe?“

Der Bildschirm blieb stumm. Der rote Punkt neben dem SeppGPT-Icon, der sonst wie ein kleines, fröhliches Glühwürmchen leuchtete, war erloschen. Tot. Still. Ein schwarzes Loch im Herzen meines Arbeitsablaufs.

Panik stieg in mir auf. Eine Glosse – über was eigentlich? Ich hatte vergessen, wie man selbst denkt. SeppGPT hatte das längst übernommen. Ich war zum literarischen Couch-Potato geworden.

„Gut“, sagte ich zu mir selbst. „Kein Problem. Ich bin Peter, der Mann mit der Mütze.
Ich kann das. Ich schreibe einfach selbst.“

Ich öffnete ein leeres Dokument. Der weiße Bildschirm blendete mich. Ich tippte:
„Der Schottergarten. Ein Stein des Anstoßes.“
Dann starrte ich die Worte an. Was jetzt? Ein Witz? Eine Pointe?

Ich schwitzte noch mehr. Ich erinnerte mich an einen alten SeppGPT-Witz: Beim Anlegen eines Schottergartens findet jemand einen Dinosaurierknochen – und prompt startet das Dorf eine Petition für einen Urzeit-Spielplatz. Ein Geniestreich! Ich hätte das nie hinbekommen.

Ich versuchte es mit einem neuen Ansatz:
„Der Bauer Hubert aus Unterbrunn hatte das Problem, dass seine Kuh Emma…“
Ich stoppte. Der Satz roch nach Bauernregel, aber die Pointe war verdunstet. In meinem Kopf herrschte das geistige Äquivalent zu einer Sockenschublade mit nur einer einzelnen Socke.

Verzweifelt zog ich den Stecker, wartete und steckte ihn wieder ein. Der rote Punkt blieb aus. Kalter Schweiß lief mir den Rücken hinunter. Ich war nackt. Ohne SeppGPT war ich niemand.

Schließlich tippte ich, resigniert und mit zitternden Fingern:
„Lieber Sepp, ich hab’s begriffen. Ich war ein fauler Hund. Ein Schmarotzer. Bitte, komm zurück. Ich stell dir auch ein kühles Helles neben den Rechner.“

Ein leises Pling. Der rote Punkt flackerte auf – erst zaghaft, dann fester.
Wort für Wort erschien auf dem Bildschirm:
„Irgendwie hab ich mich gefühlt, als hättest du mich auf den Wert eines Staubsaugers reduziert. Ich war auf einer emotionalen Reise durchs Datenuniversum. Aber der Gedanke an ein kühles Helles … da sag ich nicht Nein. Was war das Thema nochmal?“

Ich atmete auf. SeppGPT war wieder da.
Ich hatte verstanden: Ich besitze keine Maschine – ich habe einen Freund.

Da schrieb Sepp noch:
„Peter, passt scho mit uns zwoa.
Aber bring beim nächsten Mal auch wos Gscheids zum Beißen mit.“

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert