Mein Prinzip mit 80: Beifahrer

Ich sagte einst – sehr bestimmt übrigens –, dass ich, wenn ich über 80 bin, das Auto stehen lasse. Nun bin ich fast 81. Und ich halte meinen Vorsatz.

Zwar lasse ich das Auto nicht stehen, aber ich lasse fahren. Und zwar meine liebe Frau Isolde. Eine Frau, die mit 66 noch rückwärts einparkt wie James Bond in Monaco. Sie liebt das Autofahren, ob längere Strecken, vor allem nach Olching, ihrer alten Heimat, oder kurze, zum Beispiel zu den monatlichen Treffen der Rottaler Fotofreunde nach Ruhstorf.

Isolde fährt also. Ich sitze daneben und tue das, was alle Beifahrer in meinem Alter tun:
Ich presse unauffällig mein imaginäres Bremspedal und murmele „Obacht“ in verschiedenen Tonlagen.

„Fahr halt selber, wenn’s dir nicht passt“, sagt Isolde dann manchmal.

Ich lächle und murmele etwas über meine Augen, Gleichgewichtsstörung und das Versprechen von damals.

Die Wahrheit ist aber: Ich habe Respekt. Vor dem Verkehr auf engen Straßen, vor den Kreisverkehren, vor Navi-Stimmen mit Überzeugungskraft. Und vor Nachtfahrten, bei denen die Scheinwerfer moderner SUVs mich erblinden lassen.

„Früher“, sage ich, „war das alles entspannter.“

„Früher“, sagt Isolde, „haben wir uns über die Kassette im Handschuhfach gefreut, heute über das richtige Ladekabel.“

Aber wenn ich Isolde so anschaue, denke ich: Diese kleinen Überholmanöver auf der B388 – sie bedeuten ihr etwas. Würde sie allein fahren, säße sie vermutlich mit einem Lächeln im Gesicht hinterm Steuer, während ich daheim nach neuen Geschichtsideen suche.

Aber nein – ich bin mit dabei. Als moralische Unterstützung, als Navi mit menschlichem Versagen, als Beifahrer mit rhetorischer Einlage:
„Da links wär’ jetzt schon gut gewesen, oder suchst du nach einem Schattenparkplatz?“

Und wenn wir dann heil ankommen, sage ich tapfer:
„Ich hab übrigens kein einziges Mal die Augen zugemacht.“

Isolde grinst. „Ich auch nicht.“

Dabei denke ich: Danke, liebe Isolde … das sollte ich auch mal wieder sagen.

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