Es war ein gewöhnlicher Dienstag, der Tag, an dem Peter sich in das Abenteuer stürzte, das sein Leben für immer verändern sollte: Zum ersten Mal wollte er seine Einkäufe ganz alleine an der Selbstbedienungskasse bezahlen. Die selbsternannte Königin der Kasse, ein massiger Automat aus Plastik und Bildschirm, musterte ihn mit ihrem kalten Scannerauge.
„Bitte legen Sie den Artikel auf die Waage,“ sprach sie mit der sanften, aber mit der unerbittlichen Stimme eines digitalen Tyrannen kurz vor der Machtergreifung.
Peter legte mutig seine Packung Vollkornbrot auf das Band.
„BITTE LEGEN SIE DEN ARTIKEL AUF DIE WAAGE,“ wiederholte die Stimme, nun mit einem unterschwellig drohenden Unterton.
Peter zuckte zusammen. Er schob das Brot ein wenig nach links. Nichts. Er schob es nach rechts. Nichts. Er nahm es in die Hand, schaute es an, legte es vorsichtig wieder hin, als wäre es eine tickende Zeitbombe.
„ICH HABE DEN ARTIKEL NICHT ERKANNT,“ donnerte die Kasse. Die Lichter blinkten hektisch. Eine unsichtbare Sirene schien in Peters Kopf zu schrillen.
„Das ist Brot,“ murmelte Peter, als ob er mit einem trotzigen Kleinkind sprach. „B-R-O-T.“
Die Kasse blieb stumm, die rote Leuchte funkelte. Er schob das Brot zu Seite und begann Peter, seine Einkäufe zu scannen: eine einsame Salatgurke, eine Packung Joghurt. Alles lief glatt. Bis er zu den Äpfeln kam.
„BITTE GEWICHT EINGEBEN,“ forderte der Automat.
Peter, der keine Ahnung hatte, wie viel zwei Äpfel wogen, stand vor einer moralischen Zerreißprobe. Sollte er lügen? Sollte er die Äpfel einzeln auf die Waage legen und riskieren, dass der Automat sie nicht als „Apfel“ erkannte, sondern als „unbekanntes Objekt“? Er entschied sich für das ehrliche, aber gefährlichere Spiel. Er legte sie auf die Waage, tippte auf „Äpfel“ und wartete.
„ARTIKEL ERKANNT,“ verkündete die Kasse triumphierend. Ein Gefühl der Erleichterung durchströmte Peter.
Doch das Brotproblem war noch zu lösen. Nach weiteren vergeblichen Scanversuchen schob er das Brot zu Seite, hob an und …
„BITTE LEGEN SIE DEN ARTIKEL IN DIE TASCHE,“ krächzte die Kasse.
Peter schob das Brot in die Tüte, die er von zu Hause mitgebracht hatte.
„BITTE LEGEN SIE DEN ARTIKEL IN DIE TASCHE.“
Er zog das Brot wieder aus der Tüte.
„UNBEFUGTE ENTNAHME! BITTE WARTEN SIE AUF EINEN MITARBEITER.“
Peter stand da, das Brot in der Hand, gefangen zwischen den Regeln der Maschinenlogik und der eigenen Verzweiflung. Ein Mitarbeiter kam.
„Alles in Ordnung hier?“ fragte er.
„Ich … äh… das Brot,“ stammelte Peter. „Sie soll nicht in die Tüte.“
Der Mitarbeiter seufzte und drückte einen Knopf. „Manchmal ist sie ein bisschen… zickig,“ sagte er, als würde er über eine schlecht erzogene Katze sprechen.
Die Lichter der Kasse gingen aus. Die Stimme verstummte. Peter, sichtlich geschlagen, steckte das Brot in die Tüte, packte alles in seine Tasche und bestätigte die Zahlung am Automaten. Er verließ den Supermarkt als ein gebrochener Mann, aber auch als ein Mann, der das Universum der Selbstbedienungskassen verstanden hatte: Die Kasse war nicht erfunden worden, um den Alltag einfacher zu machen, sondern um zu demonstrieren, wer am längeren Hebel sitzt. Und das war eindeutig die Maschine. Genau in diesem Moment fiel Peter SeppGPT ein.

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