Ich wollte nur Milch. Ehrlich.

Man sagt mir nach ein Freund klarer Ansagen zu sein.. Wenn ich das Haus mit einem festen Vorsatz verlasse, „nur schnell Milch zu holen“, dann meine ich das auch so. Milch. Vielleicht noch ein Brot, wenn’s gerade im Weg liegt. Aber das war’s. Zehn Minuten, rein, raus, fertig.

Was dann geschah, lässt sich am besten mit dem Begriff des konsumgetriebenen Realitätsverlusts beschreiben. Ich betrete den Laden als vernunftbegabtes Wesen – und verlasse ihn als stolzer Besitzer eines aufblasbaren Krokodils, fünf Broccoli, einer Knoblauchreibe in Fischform und eines Bildbands über das Seelenleben von Katzen. Ich besitze keine Katze. Nicht mal eine ganz kleine.

Dabei beginnt es harmlos.
Ich schiebe den Wagen durch die Gemüseabteilung, ignoriere die Avocados und versuche, mich auf Milch zu konzentrieren. Dann sehe ich das Schild:
„Broccoli – heute im Angebot!“
Ich nehme fünf. Mein Körper hebt warnend den Zeigefinger – mein Gewissen aber jubelt: „Die schmecken super!“

Ich will gerade kehrt machen – da liegt es da. Ein aufblasbares Krokodil. In fast Lebensgröße. Es sieht mich an. Ich sehe zurück. Und in diesem Moment geschieht etwas. Ein stilles, aber folgenschweres Einvernehmen zwischen Mensch und Reptil.

Ich rede mir ein, es sei nützlich. Als Gastgeschenk beim nächsten Besuch. Als Rückenstütze. Oder zur Einbrecherabwehr. Denn wer ein langes Gummikrokodil im Flur platziert, hat in Sachen Einbrecherabwehr ganz klar vorgesorgt. Also nehme ich es mit.

An der Kasse stehe ich dann mit einem überladenen Wagen und frage mich, was genau schiefgelaufen ist. Vor mir piepst die Kassiererin die Broccoli durch, hinten wirft jemand einen irritierten Blick aufs Krokodil. Ich versuche, Haltung zu bewahren. Und während ich so das Krokodil festhalte, weiß ich: Irgendwo in einer Konzernzentrale lacht gerade der Werbechef.

Ich schwöre mir: Morgen wird alles anders.
Dann gehe ich strukturiert einkaufen.
Mit Liste. Mit Fokus. Ohne Blickkontakt zu Gummitieren.

Nur Milch. Vielleicht noch Brot.
Und wenn das Krokodil wieder da liegt … na ja – vielleicht will es ja einfach nur mitfahren.

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